Subjekt, System, Diskurs

Series: Phaenomenologica (158)

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Dass Edmund Husserl am Problem der Intersubjektivitat gescheitert ist, gilt als ausgemacht - und ebenso, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Entgegen dem allenthalben pauschal erklarten 'Abschied vom Subjekt' spricht aber vieles dafur, dass es in der gegenwartigen Sozialtheorie eher um eine Reformulierung transzendentaler Subjektivitat geht. Diese Interpretationsthese wirft ein neues Licht auf den sozialtheoretischen Diskurs, der im deutschen Sprachraum in den vergangenen dreissig Jahren vom Gegensatz von Jurgen Habermas' und Niklas Luhmanns Theorien bestimmt war: 'Diskurs' und 'System' erscheinen als gegensatzliche Versuche, 'Subjektivitat' und 'Interitat' in ein theoretisch befriedigendes Verhaltnis zu setzen. Wenn aber - so die kritische These dieses Buches - weder die Reformulierung von Subjektivitat als 'Interitat' noch die Reformulierung von Subjektivitat ohne 'Interitat' das Problem der Intersubjektivitat uberzeugend lost, ist dies ein Grund, neuerlich in eine direkte Auseinandersetzung mit Husserls Theorie transzendentaler Subjektivitat einzutreten. Dabei stellt sich heraus, dass Husserls vielkritisierter und -skandalisierter Versuch, den Sinn 'Anderer' im 'Eigenen' zu fundieren, in der transzendentalphanomenologischen Subjekttheorie durch ein umgekehrtes Begrundungsverhaltnis konterkariert wird. Bei aller Problematik dieser Theorieanlage - welche nur in Gegenwendung zu den Gewohnheiten der Husserl-Interpretation, vor allem aber auch zu Husserls Selbstinterpretation in den Blick kommt - zeigt sich, dass der phanomenologische Begriff des transzendentalen Subjekts seinen Reformulierungen als Diskurs und als System in mancher Hinsicht uberlegen ist.